Kündigungen zum “nächstmöglichen Zeitpunkt” nach einem Schadensfall beenden ein Vertragsverhältnis ggf. per sofort.

Selbstverständlich ist es ärgerlich, wenn ein Schadensfall, z.B. bei einer Privathaftpflichtversicherung, nicht oder nicht zufriedenstellend reguliert wird (vielleicht auch deshalb, weil es schlichtweg ein nicht versicherter Schaden war).

Kündigt dann ein aufgebrachter Versicherungsnehmer den Vertrag zum “nächstmöglichen Zeitpunkt” (vielleicht möchte er ja auch nur seinem Ärger Ausdruck verleihen und / oder das Versicherungsunternehmen zur Kulanzzahlung eines nicht versicherten Schadens bewegen) hilft vorab ein Blick ins Gesetz:


§ 92 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) Kündigung nach Versicherungsfall

(1) Nach dem Eintritt des Versicherungsfalles kann jede Vertragspartei das Versicherungsverhältnis kündigen.
(2) Die Kündigung ist nur bis zum Ablauf eines Monats seit dem Abschluss der Verhandlungen über die Entschädigung zulässig. Der Versicherer hat eine Kündigungsfrist von einem Monat einzuhalten. Der Versicherungsnehmer kann nicht für einen späteren Zeitpunkt als den Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen.

Mit anderen Worten: Kündigt ein Versicherungsnehmer binnen eines Monats nach Regulierung “zum nächstmöglichen Zeitpunkt”, ist dieser Zeitpunkt sofort.
In einem aktuellen Fall hat ein Versicherungsnehmer heute erfahren, dass er aufgrund seiner Kündigung “zum nächstmöglichen Zeitpunkt” seit mehreren Tagen keinen Privathaftpflichtversicherungsschutz mehr besitzt.

Darüber hinaus bieten einige Versicherer für Ihre SUH-Tarife (Sach-Unfall-Haftpflicht) ein tägliches Kündigungsrecht an. Der nächstmögliche Zeitpunkt wäre hier – unabhängig von einem Schadensfall – immer der Ablauf des Tages, an dem die Kündigung bei Versicherungsunternehmen eingeht.

Daher mein Rat:

  • Besprechen Sie in Ruhe mit Ihrem Versicherungsvermittler, ob und in welchem Rahmen Deckung für ein Schadenereignis über einen bestehenden Versicherungsvertrag vorliegt.
  • Erstellen Sie mt Unterstützung Ihres Versicherungsvermittlers eine Schadenanzeige.
  • Sofern ein Schaden unberechtigterweise nicht reguliert wurde, prüfen Sie weitere rechtliche Maßnahmen.
  • Vor der Kündigung eines Vertrages sollten Sie prüfen, ob es Alternativen zum bestehenden Vertrag gibt, oder ob der Ärger vielleicht in ein paar Tagen verraucht. Notfalls bleiben Sie noch ein wenig beim aktuellen Versicherer und wechseln zu nächsten Hauptfälligkeit.
  • Möchten Sie einen Vertrag nach erfolgter (oder auch nicht erfolgter) Schadenregulierung kündigen, besorgen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Versicherungsvermittler neuen Versicherungsschutz, damit ein lückenloser Versicherungsschutz gewährleiset ist. Kündigen Sie den Altvertrag erst dann.

Kündigung und der “nächstmögliche Zeitpunkt”

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