„Ich tu doch keinem was. Ich bin doch kein Verbrecher!“

Ein aktuelles Urteil aus München, welches schon im Vorfeld breit in den Medien diskutiert wurde, hat es wieder einmal gezeigt: schneller als so mancher denkt, ist man dem Vorwurf einer vorsätzlich gegangenen Straftat ausgesetzt.
Wenn ich mit meinen (insbesondere auch selbständigen) Kunden über das Thema „Spezial-Straf-Rechtsschutz“ spreche, stoße ich zunächst auf Unverständnis, denn es geht ja um den Vorwurf einer (vorsätzlich) begangenen Straftat. „Ich tu doch keinem was. Ich bin doch kein Verbrecher!“ ist dann meist zu hören.



Straf-Rechtsschutz

Die Verteidigung in Strafverfahren ist in der Regel im „normalen“ Strafrechtsschutz nur mit Einschränkungen versichert.

Bei verkehrsrechtlichen Verstößen besteht Versicherungsschutz, wenn keine Verurteilung wegen einer vorsätzlich begangenen Straftat erfolgt. Der Versicherer geht hier in Vorleistung. Wir der Versicherte (Angeklagte) dann aber wegen einer vorsätzlichen Straftat verurteilt, muss er die vorgeleisteten Kosten zurück erstatten.

Bei nicht verkehrsrechtlichen Verstößen besteht Versicherungsschutz nur bei Verstößen, die gem. Strafgesetzbuch (StGB) fahrlässig begangen werden können (z.B. „fahrlässige Körperverletzung“). Alleine der Tatvorwurf einer vorsätzlichen Straftat oder eines Verbrechens reicht aus, damit kein Versicherungsschutz besteht. Daran ändert auch der Ausgang eines solchen Verfahrens nichts.

Um was genau geht es denn beim Spezial-Straf-Rechtsschutz?

Der Spezial-Straf-Rechtsschutz bietet den Versicherten die Möglichkeit, sich bereits sehr früh gegen den Vorwurf einer vorsätzlich begangenen Straftat (z.B. vorsätzliche Körperverletzung, Beleidigung, üble Nachrede, Mord, Totschlag) verteidigen zu können, z.B. durch Einschaltung von Rechtsanwälten, Beauftragung von Gutachtern etc. Wird der Versicherungsnehmer wegen einer vorsätzlich begangenen Straftat rechtskräftig verurteilt, muss er die ausgelegten Kosten wieder zurück erstatten.

Wer benötigt einen Spezial-Straf-Rechtsschutz?

Grundsätzlich jeder. Denn wir alle können uns schneller dem Vorwurf einer Straftat ausgesetzt sehen, als wir denken.

Dazu 3 Beispiele:

1. Das Fußballspiel
Eine „Spielermutter“, ausgebildete Erzieherin, begleitet ihren 14jährigen Sohn zu einem Fußballspiel von dessen Jugendmannschaft. Das Spiel verläuft recht „ruppig“, die andere Mannschaft verliert. Beim Verlassen des Spielfeldes spuckt ein frustrierter Mitspieler der gegnerischen Mannschaft dem Partner der Spielermutter ins Gesicht. Diese geht dem Jugendlichen hinterher, klopft ihm auf die Schulter und stellt ihn zur Rede. Kurz darauf erstattet die Mutter des Jugendlichen Anzeige wegen Körperverletzung gegen die „Spielermutter“ und verklagt diese auf Schmerzensgeld. Da beide Seiten Zeugen benennen, landet der Fall vor Gericht.

2. Die Reinigungskraft
Ein Ehepaar beschäftigt seit einiger Zeit eine kleine Reinigungsfirma für die Reinigung ihres Privathaushaltes. Irgendwann fällt auf, dass Wertgegenstände aus dem Haushalt verschwinden. Schnell ist der Inhaber der Reinigungsfirma unter Verdacht. Da die Eheleute keine Beweise haben, kündigen sie der Reinigungsfirma und drohen an, den Verdacht an Bekannte und Kunden weiter zu geben, damit die Reinigungsfirma „kein Bein mehr auf den Boden“ bekommt. Als dem Inhaber der Reinigungsfirma zu Ohren kommt, dass die Geschichte tatsächlich an vereinzelte Personen weiter erzählt wurde, erstattet er Anzeige wegen „Übler Nachrede“ und „Verleumdung“.

3. Die Steuerprüfung
Bei einer Steuerprüfung in einem Bürobetrieb stellen die Steuerprüfer fest, dass ggf. falsche Angaben zu Betriebsausgaben gemacht wurden. Der Inhaber ist sich keiner Schuld bewusst, sieht sich aber dem Vorwurf der leichtfertigen Steuerhinterziehung ausgesetzt.

Die Beispiele zeigen, wie schnell es geschehen kann, dass man dem Vorwurf einer vorsätzlich begangenen Straftat ausgesetzt sein kann. Ich empfehle daher grundsätzlich den Einschluss des Spezial-Straf-Rechtschutzes, insbesondere auch im gewerblichen Bereich. Bei Privatkunden ist der Spezial-Straf-Rechtsschutz in leistungsfähigen Rechtsschutzpaketen häufig auch schon enthalten. Fragen Sie doch einfach den Versicherungsmakler Ihres Vertrauens!


Spezial-Straf-Rechtsschutz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.